——
———
——
100
guten Ideen in der Unterhaltung und in Briefen aus welche dann geradeswegs in anderer Leute Bücher verwebt wurden, und ihm für immer verloren gingen. Die Idee ſeines Werkes über unbekannte Märtyrer wurde ihm von Herrn Hathaway weggeſchnappt, welcher eine Reihe von Artikeln über dieſen Gegenſtand ſchrieb und herausgab, ehe noch Herr Churchill ſeinen Stoff geordnet hatte. Bevor er auch nur Ein Kapitel ſeines großen Romanes geſchrieben, hatte ein andrer Novelliſt, ſein Freund, einen über den⸗ ſelben Gegenſtand veröffentlicht.
Armer Churchill! Was Ruhm und äußeren Erfolg be⸗ trifft, war ſein Leben gewiß ein verfehltes. Er war viel⸗ leicht zu ſchwer beladen, zu gedankenbelaſtet, als daß er ſich leicht auf den Wellen des Lebens hätte ſchaukeln können. Jede Woge brach ſich über ihm,— er war die Hälfte Zeit unter Waſſer.
Alle dieſe Mängel und Kränkungen ſchrieb er den äußeren Umſtänden ſeines Lebens zu, den Anforderungen ſeines Amtes, den Schickungen des Zufalls. Sie lagen aber in Wahrheit viel tiefer, nämlich in ihm ſelber. Es fehlte ihm der alles beherrſchende, alles überwindende Wille, die beſtimmte Abſicht, deren Zwecken ſich alles beugt, die alle Verhältniſſe nach ihren Wünſchen lenkt, wie der Wind Rohr und Schilf nach ſeinem Willen beugt.
In wenigen Minuten und in jener breiten Behand⸗ lungsart, die nichts deutlich erklärt, aber alles klar an⸗ deutet, zeichnete Kavanagh dem Freunde die Umriſſe ſeines dreijährigen Aufenthaltes in Italien und dem Oſten. Dann auf Churchill zurückkommend ſagte er:
„Und Sie, mein Freund, was haben Sie in der gan⸗ zen Zeit gethan? Sie haben mir ſo ſelten geſchrieben, daß ich kaum Ihren Erlebniſſen folgen konnte. Ich dachte aber beſtändig an Sie,— in allen Domen, in allen lieblichen Gegenden, auf den Alpen und Apenninen; als ich von Duomo d'Oſſola hinabſchaute, im Gaſthauſe von Baveno, in Gaëta und Neapel; im alten modrigen Rom, in dem noch älteren Aegypten und dem gelobten Lande; in allen Gallerien, Kirchen und Ruinen; in unſrer ländlichen Ein⸗ ſamkeit zu Fieſoli;— kurz überall, wo ich irgend etwas


