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Kavanagh : eine Erzählung / von H.W. Longfellow, Verfasser von "Hyperion", "Evangelien" u.s.w. ; aus dem Englischen
Entstehung
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händler hüpfte noch immer in ſeinem Häuschen umher, und glich mehr wie je ſeinem grauen afrikaniſchen Papageien. Frau Archer's Haus war unbewohnt.

30.

Kavanagh ſetzte ſeinen Weg in der Richtung nach Herrn Churchills Hauſe fort. Dieſes wenigſtens war unverändert, ganz unverändert. Dieſelbe weiße Vorderſeite; derſelbe meſſingene Thürklopfer; dieſelben Roſen vor dem Fenſter; derſelbe alte hölzerne Thorweg mit Kette und Kugel; der⸗ ſelbe Sonnenſchein außen und innen. Die äußere Thür und die des Studirzimmers ſtanden auf, wie gewöhnlich bei warmem Wetter; an dem Tiſch ſaß Herr Churchill und ſchrieb. Hinter jedem Ohr ſteckte ein tintiger Federſtummel, welche gleich den Raben auf Odins Schultern, ihm alles zuzuflüſtern ſchienen, was ſich im Himmel und auf Erden zutrug. Heute waren ihre Offenbarungen irdiſcher Natur er corrigirte Schularbeiten.

Herrn Churchills freudige Bewillkommnung Kavanagh's, der fröhliche Ton ihrer Stimmen lockte bald Frau Churchill

in das Studirzimmer, ihre Augen waren blauer als je, ihre Wangen ſchöner, ihre Geſtalt runder und voller. Auch die Kinder kamen herein, Alfred zum Knaben erwachſen,

und zu einer Jacke avancirt; der ehemalige Kleine war nur zwei Jahre jünger als er, und erbte alle ſeine Kittel, Dummheiten und Krankheiten.

Herrn Churchill fand Kavanagh genau da, wo er ihn verlaſſen hatte. Nicht Einen Schritt war er vorwärts ge⸗ kommen, nicht Einen. Dieſelben Träume, daſſelbe Seh⸗ nen und Streben, dieſelbe Unentſchloſſenheit. Tauſenderlei Plane waren gemacht, keiner ausgeführt. Seine Phantaſie ſchien ſich beim Anlauf zu erſchöpfen, bevor ſie den Graben zu überſpringen verſuchte. Während er überlegte, brannte das Feuer in andern Köpfen. Andre Hände ſchrieben die Bücher, von denen er träumte. Er ſprach rückhaltslos ſeine

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