hindert hatte, bei Zeiten daran zu denken. Als ſie fort waren, geſtand Churchill ſeiner Frau, er habe ſich ſehr be⸗ luſtigt, und würde gern alle Wochen ſeine Freunde zu ei⸗ nem ſolchen Mittagseſſen einladen.
28.
Der erſte Schnee kam. Wie ſchön war er nicht, als er ſo ſtill den lieben langen Tag, die ganze Nacht auf die Berge und Wieſen, auf die Dächer der Lebendigen und die Gräber der Todten herabfiel!— Alles war weiß, ausge⸗ nommen der Fluß, welcher ſeinen Lauf durch die Landſchaft mit einer ſchwarzen Schlangenlinie bezeichnete. Die ent⸗ blätterten Bäume, welche jetzt gegen die dunkeln Wolken⸗ maſſen die wundervolle Schönheit ihres Geäſtes noch deut⸗ licher zeigten!
Welche Stille und welche Abgeſchloſſenheit kam mit dem Schnee! Jeder Ton war gedämpft, jedes Geräuſch hatte etwas Sanftes und Muſikaliſches. Keine ſchallenden Hufe,— keine raſſelnden Räder! Nur das klingende Schlit⸗ tengeläute, welches ſo luſtig und munter klopfte, wie die Herzen der Kinder.
Den ganzen Tag und die ganze Nacht fiel der Schnee auf das Dorf und den Kirchhof; auf die glückliche Behau⸗ ſung Cäcilie Vaughans, auf das einſame Grab Alice Ar⸗ chers! Ja, denn noch ehe der Winter kam war ſie einge⸗ gangen in das Land, wo es keinen Winter giebt. Sie war todt, und mit ihr war ihr heimlicher Gram und ihre heimliche Liebe geſtorben. Kavanagh erfuhr nie, welch ein Schatz von Liebe ihm für dieſes Leben verloren ging, als ſie ſchied; Cäcilie erfuhr niemals, welche treue Freundſchaft, welch' ſeltene Seelengröße und engelhafte Geduld mit ihr ins Grab geſunken war; Herr Churchill ahnte nicht, daß während er in der Vergangenheit nach der Geſchichte der unbekannten Märtyrer forſchte, in ſeinem eignen Dorfe, nahe ſeiner Hausthür, vor ſeinen Augen, ein Glied jenes


