Druckschrift 
Kavanagh : eine Erzählung / von H.W. Longfellow, Verfasser von "Hyperion", "Evangelien" u.s.w. ; aus dem Englischen
Entstehung
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Du alles hörſt, ſchon um meinetwillen nicht länger krank ſein. Ich bin mit Kavanagh verlobt!

Alice heuchelte keine Ueberraſchung bei dieſer Anzeige. Sie erwiderte den warmen Druck von Cäciliens Hand, und ihr zaͤrtlich in's Geſicht ſehend antwortete ſie ruhig:

Ich wußte, daß es ſo kommen mußte. Ich wußte, daß er Dich, und Du ihn liebteſt.

Wie konnte ich anders? ſagte Cäcilie, während ihre Augen in feuchtem Glanze ſtrahlten.Kann man anders als ihn lieben?

Nein, ſagte Alice, ihre Arme um Cäciliens Nacken ſchlingend, und den Kopf an ihre Schulter lehnend;wenig⸗ ſtens Die nicht, welche er wieder liebt. Aber wie kam es? Erzähle mir Alles, Du Liebe!

Cäcilie war überraſcht, und vielleicht ein wenig verletzt von der ruhigen, faſt gleichgültigen Art, mit welcher ihre Freundin dieſe Nachricht aufnahm. Sie hatte Ausrufungen des Erſtaunens und Entzückens erwartet, und eine eben ſolche Gluth der Aufregung wie die, mit welcher ſie jeden⸗ falls die Nachricht von Alicens Verlobung begrüßt haben würde. Aber dieſer augenblickliche Verdruß wurde bald von ihren eignen freudigen Gefühlen verdrängt, als ſie begann, die tauſend kleinen Vorfälle, welche die Entwickelung ihrer und Kavanagh's Liebe bezeichneten, ihrer Freundin ins Ge⸗ dächtniß zurückzurufen, Alles Dinge, die dieſe nothwendig bemerkt haben mußte, und nicht vergeſſen haben konnte. Zuweilen flocht ſie Fragen ein, wie:Erinnerſt Du Dich wohl? oder:Ich bin überzeugt, Du haſt es nicht ver⸗ geſſen, nicht wahr? Und dann entſtanden auch träumeriſche Pauſen, in denen nur Seufzer gehört wurden. Sie er⸗ zählte ihr auch das gefährliche Abenteuer der Brieftaube, wie ſie von dem grauſamen Stößer verfolgt ſich in Kava⸗ nagh's Thurm geflüchtet hatte und der Träger ſeines Briefes ſowol, als des ihren geworden war. Als ſie ge⸗ endet hatte, fühlte ſie ihre Bruſt von Alicens Thränen be⸗ netzt, die ein wahres Märtyrerthum an dieſem weichen, glückerfüllten Herzen litt. Bittere Thränen blutige Thrãä⸗ nen! Cäcilie hielt ſie in der frohlockenden Stimmung ihrer