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Kavanagh : eine Erzählung / von H.W. Longfellow, Verfasser von "Hyperion", "Evangelien" u.s.w. ; aus dem Englischen
Entstehung
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ſah, daß der Himmel nicht ohne Wolken, noch der Weg ohne Gefahren war.

Welch ein ſchönes Bild, als ſie ſo da ſaß, von ſüßer Verwirrung übergoſſen, und von himmliſchem Glanze ver⸗ klärt! So glich ſie der Sybille von Guercino mit der Schick⸗ ſalsrolle und der erhobenen Feder. Die Rolle enthielt nur drei Worte, in denen das Geſchick eines Menſchen lag, und die durch ihren holden Sinn auf ewig den Strom ſeiner Gedanken beherrſchten. Sie hießen,

Komm zu mir!

Dieſe zauberiſchen Worte führten Kavanagh an ihre Seite. Die ganz erfüllte Seele iſt ſtumm. Nur die ſtei⸗ genden und fallenden Fluthen rauſchen murmelnd durch ihre Kanäle. So ſaßen die Liebenden Hand in Hand. Sie ſprachen weder, noch fühlten ſie das Bedürfniß der Worte.

27.

Nachmittags ging Cäcilie zu Alicen, um ihr mit eige⸗ nem Munde die Neutgkeit mitzutheilen, welche ſie für zu wichtig hielt, als daß ſie der Brieftaube anvertraut werden könnte. Eben als ſie zur Thür hineintrat, kam der freund⸗ liche Doktor heraus; aber das war weder eine ungewöhn⸗ liche, noch beſorgnißerregende Erſcheinung. Frau Archer ſaß nach ihrer Gewohnheit in dem kleinen Wohnzimmer, mit ihrer abgelebten, alten Nachbarin, die faſt ihren Wohn⸗ ſitz unter dieſem Dache aufgeſchlagen zu haben ſchien, ſo viele Stunden des Tages brachte ſie unter demſelben zu.

Mit leichten, elaſtiſchen Schritten hüpfte Cäcilie die Treppe zu Alicens Zimmer hinauf. Sie fand ſie erhitzt und aufgeregt in ihrem großen Lehnſtuhl ruhend. Sie ließ ſich an ihrer Seite nieder, nahm Alicens Hände in die ihren, und ſagte mit bewegter Stimme:

Meine theuerſte Alice, ich bringe Dir eine Nachricht mit, die Dich gewiß geſund machen wird. Du wirſt, wenn