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Kavanagh : eine Erzählung / von H.W. Longfellow, Verfasser von "Hyperion", "Evangelien" u.s.w. ; aus dem Englischen
Entstehung
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erſten Mal auf die Aufſchrift. Sie lautete an:Cäcilie Vaughan. Alice ſank ohnmächtig zuſammen.

Als ſie wieder zu ſich kam, war ihr erſtes Beginnen eine Heldenthat. Sie ſiegelte den Brief, befeſtigte ihn um den Hals der Taube und ſandte den erfreuten Boten auf die Reiſe. Dann ließ ſie ihren Gefühlen freien Lauf und weinte lange und bitterlich. Mit verzweifelter Ruhe ver⸗ bannte ſie endlich ihre eigene Schwäche und Selbſtſucht, und fühlte, daß ſie ſich über das Glück ihrer Freundin freuen und ihr die eigene Neigung, ja das Leben ſelbſt opfern müſſe. Ihr Herz ſprach Kavanagh von jedem Tadel frei. Er hatte ſie nicht getäuſcht, ſie hatte ſich ſelbſt be⸗ trogen. Sie allein war zu tadeln; und in tiefer Demuth, mit verwundetem Stolze, verwundeter Liebe und in äußer⸗ ſter Selbſterniedrigung beugte ſie ihr Haupt und betete um Troſt und Stärke.

Ein Troſt war ihr ſchon geworden, das Gebeim⸗ niß war noch ihr Eigenthum. Sie hatte es ſelbſt Kava⸗ nagh nicht enthüllt, und Kavanagh ahnte es nicht. Oeffentliche Neugierde, öffentliches Mitleid hatte ſie alſo nicht zu fürchten.

Sie war ergeben. Sie brachte ſich heldenmüthig ſelbſt zum Opfer, ihren Kummer dem großen Arzte Zeit über⸗ laſſend, der Pflegerin der Sorge, der Heilerin aller Schmer⸗ zen, der Tröſterin jedes Kummers. Und von der Zeit an wurde ſie für Kavanagh was der Mond der Sonne iſt, der ihr immer folgt, doch ewig von ihr getrennt und ewig traurig iſt.

Wie ein Reiſender, der im Begriffe ſteht ſeine Reiſe anzutreten, entſchloſſen und dennoch ſchwankend die Wolken betrachtet, und den Kampf zwiſchen Sonnenſchein und Re⸗ genſchauer beobachtend ſagt:Es wird ſchön werden, ich will gehen, und wieder:Ach nein, noch nicht; der Regen iſt noch nicht vorüber, ſo ſaß zu derſelben Stunde Cäcilia Vaughan, entſchloſſen und doch ſchwankend, voller Sehnſucht, ſich auf die ſchöne Reiſe zu begeben, welche ihr bevorſtand, und doch auf der heimathlichen Schwelle zö⸗ gernd, als wünſchte ſie zu gehen und zu bleiben, da ſie