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26.
Am folgenden Morgen ſaß Kavanagh wie gewöhnlich in ſeinem Studierzimmer im Thurme. Die Schwere und Düſterkeit des vorhergehenden Abends hatten keine Spuren hinterlaſſen. Es war ein klarer, warmer Morgen, und die nach Süden geöffneten Fenſter ließen den heitern Sonnen⸗ ſchein herein.
Kavanagh's Herz war deſſen ungeachtet nicht ruhig. Zuweilen ſtand er von ſeinen Büchern auf und ſchritt ſein kleines Zimmer auf und ab; dann nahm er ſeinen Hut, als wollte er ausgehen, legte ihn wieder hin und nahm abermals die Bücher zur Hand. Endlich ſtand er auf, lehnte ſich über die Fenſterbrüſtung und blickte lange Zeit in die ſich vor ihm ausbreitende Gegend. Gedanken des Zweifels und der Furcht arbeiteten in ſeiner Bruſt, die mit Hoffnung wechſelten, aber ſich jedem feſten Entſchluß wider⸗ ſetzten.
3 Ach, wie anmuthig jene ſchöne Herbſtlandſchaft ihm entgegenlächelte! Die großen, goldenen Ulmen, welche die Straße einfaßten und unter deren Schatten keine Bettler ſaßen; Behaglichkeit und Fülle, Sauberkeit und Gedeihen waren überall ſichtbar; von fernen Scheunen tönten die Dreſchflegel, den Triumphmarſch der Ceres durch das Land ſchlagend; das waren die Ausſichten und Töne, welche ihn begrüßten, als er hinausblickte. Still fielen die gelben Blätter auf die Gräber des Kirchhofes, und der Thau glänzte auf dem noch immer grünen, langen Graſe.
Plötzlich wurde ſeine Aufmerkſamkeit von einer Taube gefeſſelt, welche ein kleiner Reiher verfolgte, der ſich be⸗ ſtändig bemühte, über ſie zu kommen, um ſie deſto vortheil⸗ hafter angreifen zu können. Der Anblick der pfeilſchnell durch die Luft fliegenden Vögel war wunderſchön. Als ſie dem Thurme gegenüber waren, wendete ſich die Taube plötzlich, und ſchoß ins offene Fenſter hinein, während ihr Verfolger in langem Schwunge ſeinen Weg fortſetzte und in einem Augenblick dem Geſicht entſchwunden war.
Auf den erſten Blick erkannte Kavanagh die Taube, welche keuchend am Boden lag. Es war dieſelbe, welche er
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