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Sie erreichten die hölzerne Brücke, welche über den Fluß führte, den das Mondlicht in einen Lichtſtrom ver⸗ wandelte. Ihre Schritte ertönten auf den Planken. Sie gingen vorüber ohne eine weibliche Geſtalt zu bemerken, welche unten im Schatten am Rande des Fluſſes ſtand, gedankenvoll ſeine ununterbrochene Strömung betrachtend. Es war Lucie. Ihr Hut und Shawl lagen zu ihren Füßen; und als ſie vorüber waren, ſchritt ſie weit in das ſeichte Waſſer hinein, legte ſich ſanft in ſeine tieferen Wogen nie⸗ der und ſchwamm langſam im Mondenlicht hinweg, zwiſchen den goldenen Blättern, die verwelkt und gefallen waren, wie ſie ſelbſt,— zwiſchen den Waſſerlilien, deren duftende, weiße Blüthen längſt gebrochen und beſchmutzt waren. Ohne Kampf, ohne Seufzer, ohne Laut, glitt ſie hinab, hinab, und ſank ſtill in den ſtillen Fluß. Fernhin hörte man ſchwach und undeutlich den wilden Geſang, mit ſeiner eigen⸗ thümlichen Melodie:
„O klagen wird man, klagen, klagen, klagen.
„O klagen wird man vor dem Richterſtuhle Chriſti!“
Kavanaghs Herz war mit Traurigkeit erfüllt. Er ver⸗ ließ Herrn Churchill vor ſeiner Thür und eilte heim. Als er vor ſeiner Kirche vorüberging, konnte er der Verſuchung hineinzutreten nicht widerſtehen. Er ſtieg zu ſeinem Thurm⸗ zimmer hinauf, das vom Mondſchein erleuchtet war. Dort ſaß er und blickte zum Fenſter hinaus, einen fernen, ſchwachen Lichtſchimmer beobachtend, deſſen Schein ihn durch die glänzende, monddurchſtrahlte Luft kaum erreichte. Freund⸗ lichere Gedanken ſtahlen ſich in ſein Herz; etwas unſichtbar Gegenwärtiges beruhigte ihn; eine unſichtbare Hand legte ſich auf ſeine Stirn, und der Sturm, die Unruhe, ſeines Geiſtes verwandelte ſich in Frieden.
„Antworte mir, du geheimnißvolle Zukunft,“— rief er aus—„ſage mir, wird ſich Alles meinen Wünſchen fügen?“
Und die geheimnißvolle Zukunft, von ſolchen Wünſchen ausgelegt, antwortete: „Bald ſollſt Du Alles wiſſen. Es wird Dir wohlergehen!“


