Druckschrift 
Kavanagh : eine Erzählung / von H.W. Longfellow, Verfasser von "Hyperion", "Evangelien" u.s.w. ; aus dem Englischen
Entstehung
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Die junge Dame war deshalb gezwungen, die oben er⸗ wähnte literariſche Nachricht ſelbſt mitzutheilen, was ſie ſehr zierlich that, und dann hinzufügte:

Ich komme, Sie um einen großen Dienſt zu bitten, Herr Churchill, den Sie mir hoffentlich nicht verweigern werden. Auf den Rath einiger Freunde habe ich meine Gedichte geſammelt, hier zog ſie ein großes, dünnes, in rothem Sammet gebundenes Buch aus dem Umſchlag hervor, und gedenke ſie in einem Bande herauszugeben. Wollen Sie mir nun nicht den Dienſt erweiſen, dieſelben durchzu⸗ ſehen, und mir Ihre aufrichtige Meinung zu ſagen, ob ſie der Veröffentlichung werth ſind? Ich würde Ihren Rath ſehr hoch ſchätzen.

Dieſer Anforderung an ſeine Eitelkeit, und zugleich an ſeine Artigkeit von einer jungen, ſchönen Damen, welche an dem Rande jenes breiten, gefährlichen Oceans ſtand, in welchem ſo Viele umgekommen ſind, während ſie gedanken⸗ voll über ſeine ſchimmernden Wogen nach den Ufern der grünen Palmeninſel blickten, einer ſolchen Anforderung und von dieſer Dame konnte Herr Churchill unmöglich wider⸗ ſtehen. Er machte indeſſen einen ſchwachen Verſuch, nach irgend einer Entſchuldigung zu haſchen, gab aber endlich nach. Er empfing aus Clariſſa's ſchwachen, zarten Händen den koſtbaren Band, aus ihren Augen aber einen noch koſtbareren Dankesblick, und ſagte dann:

Welchen Namen gedenken Sie dem Buche zu geben?

Symphonien der Seele, und andere Gedichte, ſagte die junge Dame;wenn ſie Ihnen gefallen, und es nicht zu viel verlangt iſt, ſo würde es mich unendlich glücklich machen, wenn Sie eine Vorrede ſchreiben wollten, um das Werk bei dem Publikum einzuführen. Der Verleger glaubt, es würde den Abſatz beträchtlich vermehren.

Ah, der Verleger! ja. aber das iſt nicht ſehr ſchmeichelhaft für Sie ſelbſt, fügte Churchill hinzu.Ich ſehe ſchon die Gedichte ſich gegen die Zudringlichkeit meiner Vorrede auflehnen, und wie eben ſo viele Nonnen eines Kloſters ſich erheben, um den kecken Fuß, der es wagte, ihren hei⸗ ligen Kreis zu betreten, fortzujagen.