74
Herrn Churchill brachte dieſe ſchöne Jahreszeit— dieſer Joſeph mit dem bunten Kleid— wie er ſie gern nannte— einen unerwarteten Gaſt, die verloren geglaubte Lucie. Die Vermuthungen der Familie waren nur zu wahr. Sie war mit dem Stiefel⸗Briareus davongegangen. Sie kehrte elend und verzweifelt zurück, und in dem Jam⸗ mer ihres gebrochenen Herzens und verwirrten Kopfes hörte man ſie oft ausrufen:
„Oh, wie ſehr wünſchte ich eine Chriſtin zu ſein. Wenn ich nur eine Chriſtin wäre, wollte ich gern ſterben; ich möchte mir am liebſten den Tod geben,— ich bin gar zu elend.“—
Wenige Tage ſpäter ritt ein finſter ausſehender Mann durch Fairmeadow, hielt an jeder Straßenecke ſtill, und rief mit lauter feierlicher Stimme,—„Bereitet Euch! bereitet Euch! bereitet Euch den lebendigen Gott zu empfangen!“
Es war einer aus jener fanatiſchen Sekte, welche das Ende der Welt für nahe halten, und ihre Himmelfahrts⸗ kleider bereiten, um in Wolken der Herrlichkeit aufzufahren, während die verworfene, träge Welt hinter ihnen mit Feuer verheert, und eine neue, ſchönere Erde zu ihrem Erbtheil geſchaffen werden ſoll. Der Erſcheinung dieſes Verkündigers des Weltuntergangs folgten viele Verſammlungen, welche in dem benachbarten Walde abgehalten wurden, zu deſſen Blätterdom und weißen Zelten Viele wanderten, um Troſt zu holen, und ſtatt deſſen Verzweiflung fanden.
Abermals ſaßen die beiden alten, gebrechlichen Frauen beiſammen, und plauderten in dem kleinen Wohnzimmer des düſtern Hauſes unter den Pappeln, und die beiden Mädchen ſaßen oben, hielten ſich gedankenvoll bei der Hand, und ſprachen nur von Zeit zu Zeit.
Alice war ungewöhnlich traurig und ſtill. Schon brei⸗
teten ſich Nebel über ihre Träume,— jene Nebel, die


