ſchaftlicher Thränen ſanft, ruhig und herzlich ſind; eine warme, fruchtbare Luft folgt dem Regen. Andre klären ſich kalt auf, und ſind froſtig, bleich und traurig. Zu den letzteren gehörte Sally Mancheſter. Sie wurde des Einen wegen bitter gegen alle Menſchen; und man hörte ſie oft ſagen, daß die Frauen Thörinnen ſeien, ſich zu ver⸗ heirathen, und daß ſie für ihre Perſon nie einen Mann heirathen würde, mögs er ſein, wer er wolle,— um keinen Preis in der Welt.
Der Arzt des Ortes kam. Er war ein großer Mann, von der freundlichſten Art; kräftig, blühend, ermuthigend, und durchdrungen von verſchiedenen Apothekergerüchen. Laute Sprache, großer Stock, dicke Stiefeln;— Alles an ihm war ſinnverwandt mit Lärmen. Seine Gegenwart im Krankenzimmer war wie Militärmuſik— belebend, aber laut. Er verließ es ſelten, ohne zu dem Kranken zu ſagen:„Ich hoffe, Sie werden ſich morgen beſſer befinden,“ oder:„Sobald Sie das Fieber verläßt, wird es beſſer gehen.“ Aber in dieſem Falle war ſelbſt ſeine Hoffnungs⸗ fülle nicht ausreichend. Frau Archer war blind,— hoff⸗ nungslos,— rettungslos,— unwiderruflich blind.
10.
Am folgenden Morgen, ganz in der Frühe ſtand der Schulmeiſter vor ſeiner Thür, athmete die klare, geſunde Luft ein, und betrachtete die aufgehende Sonne, und die glitzernden Thautropfen auf dem rothen Weinlaube. Da hörte er plötzlich Wagengeraſſel, und ſah Herrn Penderter und ſeine Frau in ihrer altmodiſchen Kutſche, die bei allen Knaben im Dorfe unter dem Namen„die Arche“ bekannt war, das Dorf herabkommen. Der alte weiße Gaul, welcher ſeinen Herrn zu ſo manchem Begräbniß getragen, und ſo manche Thürpfoſten benagt hatte, er, der die Fliegen zu tödten glaubte, weil er mit ſeinem Stummel von Schwanz um ſich ſchlug, und endlich die Urſache ſo häufigen Streites in


