21
gefährlicher und queckſilberiger war. Der Hochzeitstag war
bereits mehrere Male verſchoben worden, ſo daß die Familie endlich hoffte und glaubte, er würde gar nicht eintreffen; ein Wunſch, der ſeine Erfüllung in ſich trug.
Der einzige Lichtſtrahl, welcher von außen in dieſe düſtre Behauſung drang, kam von dem Antlitze Cäcilie Vaughom's, der Schulgefährtin und Buſenfreundin Alice Archer's. Sie waren beinahe von gleichem Alter, und hatten ſich, kraft der geheimnißvollen Macht, welche uns in der Kindheit Freunde offenbart und erwählt, einander an⸗ gezogen. Sie ſaßen in der Schule neben einander; ſie gingen nach der Schule mit einander ſpazieren, ſie erzähl⸗ ten ſich gegenſeitig ihre vielfachen Geheimniſſe, ſie ſchrieben ſich des Abends lange und leidenſchaftliche Briefe; mit Einem Worte, ſie liebten ſich. Ihr Mädchenleben war ſo zu ſagen ein Vorſpiel zu dem großen Drama des Frauen⸗ lebens.
9.
Die goldenen Tinten des Herbſtes erglänzten jetzt auf den Geſträuchen vor dem melancholiſchen Hauſe, und be⸗ nahmen ihm etwas von ſeiner Düſterheit. Die vier Pap⸗ peln ſchienen im Feuer zu lodern, und flackerten im Winde, gleich Rieſenfackeln. Eine ſchmale Einfaſſung von Buxbaum erfüllte die Luft mit Wohlgerüchen; welche die Rückkunft Alicen's zu feiern ſchienen, als ſie die Treppe hinaufſtieg, und mit leichterem Herzen als gewöhnlich in das Haus trat. Die friſche Herbſtluft hatte ihren Puls belebt, und ihre Wangen geröthet.
Sie fand ihre Mutter allein im Wohnzimmer, in ihrem großen Lehnſtuhl ſitzend. Die warme Sonne ſtrömte durch die unverhangenen Fenſter herein; und die Lichter und Schatten des Laubes ſpiegelten ſich auf ihrem Geſicht. Sie ſah ſich um, als Alice hereintrat und ſagte:


