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Kavanagh : eine Erzählung / von H.W. Longfellow, Verfasser von "Hyperion", "Evangelien" u.s.w. ; aus dem Englischen
Entstehung
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wohl hundert Köpfe nach jener Richtung, obgleich es mitten im Gebet war.

Die alte Frau Fairfield drehte ſich nicht um, aber ſie und ihre Tochter ſahen einander an, und ihre Hüte machten eine Parentheſe im Gebet, in welcher die Eine fragte, was das wäre, und die Andere antwortete:

Es iſt nur Alice Archer. Die kommt immer zu ſpät. Endlich war das lange Gebet vorüber, die Ge⸗ meinde ſetzte ſich, und die leicht ermüdeten Kinder, die während des Betens immer unruhig ſind, und die beinah eine halbe Stunde lang ſich drehend und wendend bald auf dem einen, bald auf dem andern Fuß geſtanden, und ihre Köpfe wie Füllen, welche in die benachbarten Weiden hinein⸗ gucken, über die Lehnen der Kirchſtühle gehängt hatten, ließen ſich endlich nieder, und verfielen in einen Zu⸗ ſtand, welcher der Ruhe wenigſtens ähnlich war.

Die Predigt begann; eine Predigt, wie ſie nie gehalten oder gehört worden war. Sie lockte Thränen in die Augen der Freunde des Predigers, und erſchütterte die verſtockteſten Herzen ſeiner Feinde mit einer Art von Ge⸗ wiſſensbiſſen. Als er den Text verlas:

Denn ich achte es billig zu ſein, ſo lange ich in dieſer Hütte bin, euch zu erwecken und zu exrinnern,*) war es, als ob der Apoſtel Petrus ſelbſt, aus deſſen Feder die Worte zuerſt gefloſſen waren, ſie zum Gericht riefe. Er ſchloß mit einem Danke für die Damen, welche ihm einen ſchwarz ſeidenen Chorrock geſchenkt hatten, und die ſich gegen ſeine Frau während ihrer langen Krankheit ſo gütig gezeigt hatten. Auch entſchuldigte er ſich wegen der Vernachläſſigung ſeines Berufs, welcher wäre zu ſtudiren und zu predigen, weil er ſich des Berufes der Gemeinde hätte annehmen müſſen, deren Pflicht es ſei, ihren Prediger zu erhalten. Er führte aus, daß ſeine eigene Pflichtver⸗ ſäumniß von der ihrigen herrühre, welche ihn im Winter in die Wälder und im Sommer in die Felder getrieben hätte. Endlich hielt er der Gemeinde vor, wie verrottet ſie in ihren ſchlechten Gewohnheiten ſei, und daß während

*) 2. Petr. 1, 13.