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Kavanagh : eine Erzählung / von H.W. Longfellow, Verfasser von "Hyperion", "Evangelien" u.s.w. ; aus dem Englischen
Entstehung
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die Tochter des Verfaſſers, welcher die Geſtirne bei ihrer Geburt beſtimmten, ihr Leben unvermählt und kinderlos hinzubringen. Der Vater aber verſicherte ſich einer glück⸗ lichen Stunde, um ſie dennoch zu vermählen. Als dieſe Zeit erſchien, ließ er ſeine Tochter und ihren beſtimmten Bräutigam zu ſich kommen; er ſetzte das Stundenglas in ein Gefäß mit Waſſer, ließ einen zeitkundigen Stern⸗ deuter dabei, damit, ſobald das Glas im Waſſer unter⸗ ſinken würde, jene beiden koſtbaren Juwele vereinigt wür den. Da aber dieſe ſeine Abſicht der Beſtimmung der Sterne zuwiderlief, ſo geſchah es, daß die Jungfrau aus der, Kindern eigenen Neugierde in das Glas hineinſah, um zu beobachten, wie das Waſſer in die Oeffnung des Glaſes eindrang. Zufällig löſte ſich eine Perle von ihrem Brautſchmuck, fiel in das Glas, und rollte bis an die Oeffnung hinab, ſo daß das Eindringen des Waſſers verhindert wurde. Der Sterndeuter wartete vergeblich auf die verſprochene Stunde, bis der Vater, über die ungebührlich verzögerte Füllung des Glaſes erſtaunt, nach⸗ ſah und fand, daß eine Perle das Eindringen des Waſ⸗ ſers gehemmt hatte, und die erſehnte Stunde längſt vor⸗ über war. Der Vater, auf dieſe Art getäuſcht, ſprach zu ſeiner unglücklichen Tochter:So werde ich ein Buch mit Deinem Namen ſchreiben, welches bis zu den ſpäteſten Zeiten dauern ſoll, denn ein guter Name iſt ein zweites Leben und der Grundſtein ewigen Daſeins. Während der Schulmeiſter las, wurden die Augen ſei⸗ ner Frau feucht, und ſie ſagte: Welche ſchöne Geſchichte! Wann trug ſie ſich zu? Vor ſieben hundert Jahren, bei den Hindus. Warum machſt Du nicht ein Gedicht daraus? Weil ſie ſchon an und für ſich ein Gedicht iſt, eine von den Erzählungen, die durch ihre Einfachheit ſchön ſind, und die durch Ausſchmückung verlieren. Die alters⸗ graue Hindu⸗Sage würde mir nicht halb ſo gut gefallen, wenn ſie mit Farben geſchmückt, und mit dem bunten Schel⸗ lengeklingel des Reimes behangen wäre. Nun höre, wie das Buch beginnt. Er las weiter: