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3.
Als der Thee vorüber war, ging Herr Churchill, ſei⸗ ner Gewohnheit gemäß, im Zimmer auf und nieder. Wie
er ſo hin und her ging, blickte er mit geheimem Entzücken: auf die Bücher, welche die Wände bekleideten, und dachte
daran, wie viele blutende Herzen durch das Schreiben die⸗ ſer Seiten Troſt gefunden hätten, für ſich ſelbſt wie für Andre. Die Bücher kamen ihm vor wie lebende Weſen, ſo verwandt waren ſie mit menſchlichen Gedanken und Ge⸗ fühlen. Es war, als ſähen die Schriftſteller ſelbſt von der Wand auf ihn herab. Sie hatten weder einen freundlichen, noch einen betrübten Ausdruck, ſondern jenen ruhigen Gleich⸗ muth gegen das Schickſal, wie die Dichter, welche dem Dante in ſeinen Viſionen an der Schmerzensküſte luſtwan⸗ delnd erſchienen. Dann träumte er von Ruhm, und dachte, daß er ſpäter vielleicht Manchem das ſein könnte, was dieſe Männer ihm waren; und in der Begeiſterung des Augen⸗ blicks rief er laut aus:
„Marie, möchteſt Du, daß ich dieſen ähnlich wäre?“
„Welchen„dieſen“?“ fragte ſeine Frau.
„Dieſen großen und guten Männern— dieſen Ge⸗ lehrten und Dichtern— den Verfaſſern aller dieſer Werke!“
Sie drückte ſeine Hand, und ſagte mit ſanfter, aber gehobener Stimme:
„Oh ja, wie ſie, nur vielleicht noch beſſer.“—
„Dann will ich einen Roman ſchreiben!“
„Thue es,“ ſagte ſeine Frau gleich einem Engel. Denn ſie glaubte, er würde dann für ewige Zeiten be⸗ rühmt werden, und die ganze geſchäftige und gequälte Welt würde ſtill ſtehen, um ihn ſeine kleine Trompete blaſen zu hören, deren Töne die ehernen Mauern der Zeit nieder⸗ reißen und die Ohren der weitentfernten, erſtaunten Nach⸗ welt erreichen würden.„


