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„Horch!“ rief ſeine Frau, ihr Geſicht in lauſchender Stellung erhebend.
„Was giebt es?“
„Mir war's, als hörte ich den Kleinen!“
Es entſtand ein kurzes Schweigen, dann ſagte Churchill:
„Es war nur die Katze im Keller.“ ₰
In dieſem Augenblick kam Lucie herein. Sie zögerte ein Wenig, und bat dann mit unterwürfiger Stimme um die Erlaubniß, in das Dorf gehen zu dürfen, um etwas Band zu ihrem Hut zu kaufen. Lucie war ein 15jähriges Mädchen, das vor einigen Jahren einem Waiſenhauſe ent⸗ nommen war. Ihre dunkeln Augen hatten einen zigeuner⸗ artigen Blick, und ſie trug ihr braunes Haar nach Art einiger Mädchen Murillos rund um den Kopf gewunden. Sie hatte ägyptiſches Blut in ihren Adern, war ſehr hef⸗ tig, und konnte keinen Widerſpruch ertragen.
Als ſie das Zimmer verlaſſen hatte, nahm der Schul⸗ meiſter die Unterhaltung wieder auf:
„Ich mag Luciens häufiges Ausgehen am Abend nicht leiden,“ ſagte er.„Ich fürchte, ſie wird in Ungelegen⸗ heiten kommen. Sie iſt in der That ſehr hübſch.“
Hier trat eine zweite Pauſe ein, nach welcher er hin— zufügte:
„Eins quält mich außerordentlich.“
„Und was iſt das?“
„Ich möchte wiſſen, was jener Mann mit all den alten Stiefeln macht, die er im Dorfe zuſammenſchachert. Ich bin ihm heute Abend wieder begegnet. Er ſcheint ſo viele Füße zu haben, wie Briareus Hände hatte. Er iſt eine Art Tauſendfuß.“
„Aber was hat das mit Lucie zu thun?“
„Nichts, es fiel mir nur in dieſem Augenblick ein; ich kann mir gar nicht vorſtellen, was er mit ſo vielen alten Stiefeln thut.“


