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Kavanagh : eine Erzählung / von H.W. Longfellow, Verfasser von "Hyperion", "Evangelien" u.s.w. ; aus dem Englischen
Entstehung
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Bett gebracht, und verſchwand in einer Art Geiſtesabweſen⸗ heit, indem er leiſe für ſich die Worte ſeines Vaters wie⸗ derholte:

Gute Nacht, Alfred!

Sein Vater ſah ihm zärtlich nach, wie er ſo mit einer Hand Lucien haltend, mit der andern ſich den Schlaf aus den⸗ Augen reibend, hinaufging.

Ach, dieſe Kinder, dieſe Kinder! ſagte Herr Chur⸗ chill, als er ſich an den Theetiſch ſetzte;wir müſſen ſie jetzt recht ſehr lieb haben, denn wir werden ſie nicht lange bei uns behalten.

Gütiger Himmel! rief ſeine Frau aus,was meinſt Du? Fehlt ihnen irgend etwas? Werden ſie ſterben?

Ich hoffe nicht. Aber ſie werden heranwachſen, und nicht lange mehr Kinder bleiben.

O, Du punderlicher Mann, wie haſt Du mich er⸗ ſchreckt!

Und doch ſcheint es unmöglich, daß ſie je zu Män⸗ nern heranwachſen, und das ſchwere Geſchütz den ſtaubigen Weg des Lebens entlang ziehen werden.

Das, hoffe ich, wird nie geſchehen. Es wäre das Letzte, was ich einen von ihnen thun zu ſehen wünſchte. Oh, ich meine es nicht buchſtäblich, ſondern bildlich.

Da wir indeſſen von groß- und alt-werden ſprechen, fällt mir ein, daß ich Herrn Penderter ſah, als ich nach Hauſe kam.

Was ſagte er?

Daß er morgen ſeine Abſchiedspredigt halten würde. 2Der arme alte Mann! er thut mir wirklich leid.

Mir auch. Aber man muß geſtehen, daß er ein ſchlechter Redner iſt, und ſeine Predigten ſind eine eben ſo traurige Aufgabe für ihn, als für ſeine Zuhörer.

Weshalb ſchickt man ihn denn fort?

Oh, dafür giebt es viele Gründe. Er widmet ſei ner Gemeinde und ſeinen Predigten nicht genug Zeit und Aufmerkſamkeit. Er arbeitet immer in ſeiner Wirthſchaft, will ſtets ſein Gehalt erhöht haben, und beſteht auf ſeinem Rechte, ſein Pferd auf den Gemeindewieſen weiden zu laſſen.