Teil eines Werkes 
1. Bändchen (1825) Die Wiesenburg
Entstehung
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geſegneten Schranken des Buͤrgerſtandes zu uͤber⸗ ſchreiten. Haß, Neid und Laͤcherlichkeit ward ihr Lohn, ihr Mann arbeitete nichts, die Wirthſchaft verſiel, und als ſie ploͤtzlich ſtarb, ohne ihm etwas Bedeutendes von ihrer Haabe zu hinterlaſſen, ver⸗ ſank er bald in gaͤnzliche Armuth. Schon vor ei⸗ nem Jahre mußte er das Haus verkaufen und aus der Stadt gehen. Wohin? wußte die Wittwe nicht. Sie freute ſich, daß der Beſitz nun an uns gekommen war, und ermahnte uns, die alte Freundſchaft nicht zu vergeſſen. Auch blieb ſie mir Freundin und Rathgeberin, ſo lange ſie lebte, und hob ein Toͤchterchen, das uns nach einigen Jahren geboren ward, aus der Taufe.

Ich fing nun meine Wirthſchaft an, mein Mann regte ſich wacker, wir hatten Gluͤck in jeg⸗ licher Unternehmung. Der Reſt des Winters ver⸗ floß unglaublich ſchnell bei Arbeit und Erholung, der Fruͤhling kam, wir begingen zum erſten Male unſern Hochzeitstag zuſammen, der noch durch eine andere ruͤhrende Feierlichkeit ausgezeichnet ward. 3 In meiner Vaterſtadt iſt es Sitte, daß die ver⸗ ſorgten Armen, einmal des Jahrs im feierlichen Umgange mit Geſang durch die Stadt ziehen, um vor jedem Hauſe eine außerordentliche Gabe zu

empfangen.