Teil eines Werkes 
1. Bändchen (1825) Die Wiesenburg
Entstehung
Einzelbild herunterladen

— 29

men ward, und wir haben ihn deſſen wohl erin⸗ nert..— 4*

Unmglich! ſagte Heinau, nein, unmoͤglich! es war ſpaͤter, viel ſpaͤter, ein naͤchtlicher ſtuͤrmiſcher Tag, ich glaube— 4

Der Tag der heiligen Katharina, den wir heute ſchreiben, unterbrach ihn Beatrix.

Der Graf richtete die Augen auf Nuͤdiger, der todtenblaß vor ihm ſtand, und auf die ſtumme Frage unſicher antwortete: es iſt der Tag.

Heinau bedeckte das Geſicht mit der Hand, eine lange Stille herrſchte durch einige Minuten.— Alles umſonſt, Ruͤdiger, ſagte Heinau dumpf und feierlich. Umſonſt! und darum um ſo ſchrecklicher! Umſonſt alle Arbeit meines Lebens, alles Wuͤnſchen meiner Getreuen! Mein Geſchlecht ſtirbt, wie ein Baum, der lange in uͤppiger Schoͤnheit bluͤhte, und nun verdorrt am Boden liegt, zum Hohn der niedern Geſtraͤuche, auf die er ſtolz herabſchaute. Nichts konnte ihn erhalten, und meiner Seele ge⸗ heime Qual iſt das Meſſer, das an ſeiner Wur⸗ zel nagt.— Laßt uns allein, Beatrix, fuhr er auf, da er ſie erblickte, und kein Wort gegen die Graͤfin von dem Ausbruche meines Unmuths.