— 15 den, ſollte es auch nur ſeyn, um mir ſelbſt vor⸗ zuluͤgen, daß ich nicht allein bin. Mir wird un⸗ heimlich zu Sinne, wenn alles um mich ſchweigt, und die Wetterfahne auf dem gruͤnen Thurme bis
zu uns hereinkreiſcht. Euch iſt das nun eben recht, Euch moͤcht' es ſelbſt in meinem Kloſter gefallen.
Warum nicht, Beatrix, antwortete Kunigunde,
es koͤmmt eine Zeit, wo die Freuden der Jugend
verbleichen, und die ſuͤßeſten Hoffnungen den ab⸗ gefallenen Bluͤthen gleichen, die am Boden wel⸗ ken. Mag ſie Euch noch lange nicht, mag ſie Euch nimmer erſcheinen?
O ſorgt nicht um mich, Baaſe Kunigunde, er⸗ wiederte Beatrix, und ſah ihr froͤhlich in's Ge⸗ ſicht; ich bin gluͤcklich ſeit ich frei bin, und es iſt alles ſo ſchoͤn um mich, daß ich wahrlich Muͤhe haͤtte traurig zu ſeyn. Wie ich noch im Kloſter war, und die Zelle der alten Kellnerin mitbewohnte, die mir manches aus der Welt zu erzaͤhlen wußte, hoͤrten wir oft miteinander das Gelaͤut der großen Abendglocke ſchweigend an. Gleich erwachten an dieſem Klange die lieblichſten Bilder in meiner Seele, ich ſah entweder den praͤchtigen Zug einer Kroͤnung, oder eine geſchmuͤckte Braut ging im


