Teil eines Werkes 
1. Bändchen (1825) Die Wiesenburg
Entstehung
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engeſtalten aufmerkſam zu detrachten, aber ſein raſtlos arbeitender Geiſt war weit entfernt, und ſuchte in entlegenen Gegenden Grund zu mancher⸗ lei Gedanken, die Niemand ahnen, noch weniger theilen durfte.

Kunigunde war eine hohe ſtolze Geſtalt, finſtre ſchwarze Locken umfloſſen ihre weiße Stirn, ihr Geſicht war nicht bluͤhend, aber edel und ſchoͤn ge⸗ bildet, ihre Augen ſprachen von tiefem Gefuͤhl, und ließen den achtſamen Blick in eine Seele ſchauen, die hienieden keine Wuͤnſche mehr, nur noch Pflichten kannte. Selbſt ihre ſchwarze Klei⸗ dung, ſo ſehr ſie zu dem Ausdrucke ihrer Zuͤge paßte, vollendete das farbenloſe Bild der Entſa⸗ gung, das den lebhafteſten Kontraſt mit dem hei⸗ tern lebensfrohen Weſen ihr gegenuͤber bildete. In der vollen Bluͤthe erſter Jugend, groß und ſchlank wie Kunigunde, aber mit roſigen Wangen und la⸗ chenden Augen, die des Lebens Freuden zu ſuchen ſchienen, im blauen weitfaltigen Gewande, mit dem Schmuck brauner reicher Locken, war Beatrix dem lichten Tage gleich, waͤhrend ihre Gefaͤhrtin an eine ſtille Nacht erinnerte. Sechs Jahre wa⸗ ren verfloſſen, ſeit Kunigunde an der Seite ihres Gemahls auf die Burg zog, die er, der Sproͤß⸗