Teil eines Werkes 
2. Band (1820) Leben und Dichtung in Erzählungen / von Friederike Lohmann
Entstehung
Einzelbild herunterladen

280

Beſte, denn Bartel meinte: er muͤſſe einmel 3 ſehen, wie reichen Leuten zu Muthe ſey. Man ſcherzte und lachte, ſprach auch daner ben viel von dem Ball am Abend, und mancher raſche Taͤnzer bewarb ſich im Vor⸗ aus um des Maͤdchens Hand. Sie ver⸗ ſagte es ungern dann war ſie ſchon wie⸗ der auf dem Wege zur Heimath aber das fuͤhlte ſie doch: reichen Leuten mußte wohl recht angenehm zu Muthe ſeyn, und ſie wußte am Beſten, wie wenig es ſie ko⸗ ſten wuͤrde, es ihnen allen gleich zu thun. Bald fuhr eine glaͤnzende Kutſche vor das Haus, eine reich geſchmuͤckte Dame kam die Treppe hinab, alles ſah nach ihr, pries ihre Schoͤnheit, ruͤhmte ihre Kleidung, ſie ſtieg, leicht gruͤßend, gewandt und anmuthig ein, und dahin rollte der Wagen. Elsbeths Augen folgten ihr, ſolchen Anzug hatte ſie nie geſehen, wie plump, wie ſchlecht kam ihr dagegen der neue Sonntags Putz vor. Sie kleidete ſich in Gedanken Stuͤck fuͤr Stuͤck eben ſo an, und hatte auf dem Ruͤck⸗ wege Zeit genug ſolchen Traͤumen nachzu⸗ haͤngen, da auch die Eltern mehr ſinnig als geſpraͤchig daher gingen.