keit, eine ſolche freimuͤthige, kindliche Einfalt
des Ausdruckes, ein ſolcher Stolz der Liebe, daß
ich nicht weiß, ob Bewunderung und Mitleid, oder Verachtung und Unwille meine herrſchenden
Gefuͤhle waren. Ich fand darunter einen Brief,
der kurz vor der Entfuͤhrung geſchrieben war, und nie habe ich etwas aͤhnliches geſehen, nie auch nur gedacht. Welche Klagen, welche Vor⸗ wuͤrfe, mitten unter einem Thraͤnenſtrome, wel⸗ ches heftige und doch reuvolle Schmachten in ei⸗ nem Rauſche von Angſt, Freude, Stolz und Jammer! Die Maͤnner wiſſen doch nur wenig, was im innerſten Herzen eines Weibes vorgeht, und wie wenig wagt's ein Weib, etwas zu ſa⸗ gen, und noch weniger zu ſchreiben, das den Maͤnnern Licht geben koͤnnte! Aber hier ſchlug, brannte und bebte das Herz eines Weibes in dem Buſen eines kunſtloſen Kindes. Nichts wurde verhehlt, gar nichts; die Geopferte war ſtolz auf ihre Aufopferung in demſelben Augen⸗
blicke, wo ſie uͤber ſich jammerte. Des Man⸗ nes Selbſtſucht iſt doch die niedrigſte und ſchlech⸗
teſte von allen! Die Briefe des Verfuͤhrers waren, gegen
des Maͤdchens Briefe, in ſchlechtem Franzoͤſiſch


