genoſſen. Niemand iſt ein Held in den Augen ſeines Kammerdieners, und Wenige koͤnnen, ihrem Arzte gegenuͤber, die Rolle eines Heuch⸗ lers durchfuͤhren. Nein, mein Freund, man kann nicht immer die Maske tragen. Der Arzt kommt zu jeder Stunde zu ſeinen Leuten, er ſieht ſie in jedem Geſundheitzuſtande, in jeder Seelenſtimmung, und hat er Augen zum Sehen, und Ohren zum Hoͤren, ſo muß er merken, wie die Sachen ſtehen. Ich fuͤr meinen Theil kann ſagen, daß meine Erfahrung mir im Gan⸗ zen alles von einer guͤnſtigen Seite gezeigt hat. Ich habe freilich wohl geſehen, wie der prah⸗ lende Stoiker, bloß beim Anblicke meiner Zan⸗ ge, vor Schrecken ſein Zahnweh verlor, und auch wohl bemerkt, daß man ſich am Sonnta⸗ ge mit Weib und Kindern in der Kirche erbau⸗ lich ausnehmen und doch im Innern des Hau⸗ ſes ein kleiner Tyrann ſeyn kann. Es iſt aller⸗ dings auch wahr, daß ich ſehr muſterhafte Frauen nicht abgeneigt gefunden habe, mit dem Arzte zu liebeln, waͤhrend ihres Mannes Bein in den Schienen lag. Aber auch viel angeneh⸗ mere Erfahrungen habe ich gemacht. Ich habe einen rohen Cyniker drei Naͤchte nach einander
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