Teil eines Werkes 
1. Theil (1822) Moosrosen / von W.A. Lindau
Entstehung
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hielt einen Brief von ſeiner Gemahlinn, worin ſie das Geſtändniß ausſprach, daß ſie durch ihren ſträf⸗ lichen Leichtſinn ihren Mann in die Nothwendigkeit geſetzt hätte, den Schritt zu thun, der ihr angekün⸗

digt war. Sie dankte ihm für ſeine Liebe, ſah die

Hand der rächenden Vergeltung in ihrem Schickſale, und wünſchte künftig in einer entfernten Gegend ihr Leben zuzubringen.

Der Freiherr überreichfe dem Pfarrer den Brief. Ich hoffe, ſie iſt nicht ganz tief geſunken, ſprach der Geiſtliche, als er den Brief geleſen hatte.

Ich brauche dieſe Hoffnung zu meiner Ruhe, antwortete der Freiherr und erzählte ihm nun um⸗ ſtändlich den ganzen Vorfall.Lieber Freund, ſetzte er nach einer Pauſe hinzu: wir müſſen uns auf ei⸗ nige Zeit trennen. Ich reiſe nach Frankreich und Italien.«

Ungern ſehe ich Sie in dieſer Stimmung in die Welt hinausſtürmen. Suchen Sie erſt in länd⸗ licher Einſamkeit, in der Beſchäftigung mit ihren Lieblingswiſſenſchaften ihr Gemüth zu beruhigen.

Der Freiherr beharrte bei ſeinem Entſchluſſe. Er ſuchte auf die ſchonendſte Weiſe um die Schei⸗ dung an, und verſicherte ſeiner Gemahlinn ein frei⸗ gebiges Jahrgeld, das ſie aus jedem Orte, wo ſie zu leben wünſchte, von ſeinem Geſchäftführer bezie⸗ hen ſollte. Am Abend vor ſeiner Abreiſe beſuchte er den Pfarrer, der eben, als der Freiherr herein trat, ſeiner Frau einen Brief von Auguſta vorlas.