Teil eines Werkes 
1. Theil (1822) Moosrosen / von W.A. Lindau
Entstehung
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Die Pfarrerinn ging mit den Kindern langſam den Weg hinab; er aber blieb einige Augenblicke ſtehen, bis der Wagen hinter der Waldecke ver⸗ ſchwunden war, und ging dann ſchnell in's Dickig.

Am folgenden Tage fuhr die Edelfrau in die Stadt. Als ſie ſchon in den Wagen geſtiegen war, ſagte ſie ihrem Manne, ſie werde wahrſcheinlich zwei Tage ausbleiben. Willſt Du mich abhohlen? ſetzte ſie gleichgiltig hinzu.

Vielleicht, erwiederte er, ſeine Überraſchung und ſeinen Unmuth kaum verbergend; aber in die⸗ ſem Augenblicke beſchloß er, ihr am nächſten Tage nachzureiſen. Er beſuchte im Sommer faſt nie die Stadt, und hatte zeither auch im Winter nur einige Monate daſelbſt zugebracht, ſeiner Gemahlinn zu Ge⸗ fallen. Am Abend des folgenden Tages kam er in die Stadt. Er fand ſeine Frau nicht in ſeiner Abſteigewohnung, und ſie war im Schauſpiele, wie der alte Diener ſagte, der die Aufſicht führte. Im nächſten Augenblicke war er, in ſeinen Mantel ge⸗ hüllt, im vollen Hauſe. Er kannte die gewöhnliche Loge ſeiner Tante, und kaum hatte er einen Blick dahin geworfen, als er ſeine Frau, an der Seite ihrer Verwandten, im eifrigen Geſpräche mit einigen jungen Männern ſah, die hinter ihr ſtanden.

Die Eiferſucht erwachte in ſeiner Bruſt, und wenn man meinen möchte, daß bei der Stimmung, worin die beiden Gatten lebten, die Beſorgniß vor einer Kränkung ſeiner Ehre mehr gewirkt haben