Teil eines Werkes 
1. Theil (1822) Moosrosen / von W.A. Lindau
Entstehung
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müßte, als der Schmerz betrogener Liebe, ſo ſchien doch gerade dieſe Entdeckung die faſt erloſchene Flamme neu anzufachen. Ohne das Ende des Schau⸗ ſpiels abzuwarten, eilte er in's Freie, um ſich zu ruhiger Erwägung der Schritte, die er thun mußte, zu ſammeln. Er wußte, daß es ſeiner Tante nur im Geräuſche der großen Welt wohl war, wo ſie, ſo wenig jung als reizend, noch immer die Anſprüche machte, die ſie in ihrer Jugend nicht zu allen Zei⸗ ten anſtändig verfolgt hatte. Noch unſchlüſſig, ob er in ihrem Beſuchzimmer ſeine Frau beobachten ſollte, kam er vor die Wohnung eines alten Freun⸗ des, den er ohnehin ſprechen mußte. Das Geſpräch ſiel bald auf die Anweſenheit ſeiner Frau, und der aufrichtige Freund verhehlte ihm nicht, daß man über ihren zu vertrauten Verkehr in dem Hauſe der Tante des Freiherrn Bemerkungen gemacht hatte, die ihr nicht günſtig waren. Ausdrückliche Beſchul⸗ digungen hatte zwar Niemand gegen ſie vorgebracht; aber es bedurfte nicht mehr, den Argwohn des Frei⸗ herrn heftig zu reizen.

Er ging mit ſeinem Freunde in ein Kaffeehaus, um ſich zu zerſtreuen, und ſie trennten ſich erſt, ge⸗ gen Mitternacht. Als er vor ſeine Wohnung kam, fuhr eben ein Wagen vor. Er trat zurück; ein fremder Diener öffnete den Schlag, und der Frei⸗ herr ſah einen jungen Offizier und dann ſeine Frau ausſteigen. Er folgte ihnen nach einer kurzen Pauſe, hohlte in heftiger Aufwallung einen Degen aus ſei⸗

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