Teil eines Werkes 
1. Theil (1822) Moosrosen / von W.A. Lindau
Entstehung
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füß, daß den Freiherrn dieſes einfache Lied tiefer bewegte, als die kunſtreichern Geſänge, die ſie nach⸗ her vortrug. 4

Bei dieſen Unterhaltungen kam die elfte Stunde. Der Freiherr verließ das glückliche Haus in einer ſtill freudigen Stimmung; als er aber in ſeine ein— ſame Wohnung trat, überfiel ihn das Gefühl, daß er keine glückliche Heimath hatte, mit verdoppelter Gewalt. Das ſchöne Bild des häuslichen Lebens, das ihn an dieſem Abende entzückt hatte, ſtand im heiterſten Farbenglanze vor ſeiner Seele.

Auch am folgenden Tage, dem Sonnabend, dauerte ſeine Einſamkeit fort, und er ſuchte Zer⸗ ſtreuung in ſeinem Jagdgebiete. Als er gegen Abend heim kam, verkündigte ihm der geſchäftige Lärm in ſeinem Hauſe, daß ſeine Gemahlinn zurückgekehrt war. Er empfing ſie nicht unfreundlich; ſie aber verrieth einige Verlegenheit, als ſie ſich zu entſchul— digen ſuchte, daß ſie den Bitten ſeiner Tante nach⸗ gegeben hatte.»Wenn es auch Dir Unterhaltung gewährt hat, ſprach er: ſo vergeſſe ich gern, daß ich mich ein wenig einſam hier gefunden habe.“

Er hörte der Erzählung von dem Feſte bei ſei⸗ ner Tante ſchweigend zu, ohne ſie zu unterbrechen, aber vielleicht zum Erſtenmahl, ſeit er mit ihr ver⸗ bunden war, fiel ihm ihre Ausſprache unangenehm auf, welche ſeit den fünf Jahren, wo ſie in der neuen Heimath lebte, gar nicht milder geworden

war, und was ihm einſt ſo lieblich geklungen hatte,