Teil eines Werkes 
1. Theil (1822) Moosrosen / von W.A. Lindau
Entstehung
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Sebald ſah ihm lange nach.„Ich fürchte Dich nicht,“ ſprach er endlich.„Du wollteſt ſie mir ent⸗ reißen? Nimmermehr! Sie liebt mich— mit der Gewißheit bin ich ſtark und kühn gegen jeglichen Widerſtand.“ 4

In dieſer gereizten Stimmung eilte Sebald ins Freie. Tauſend Entwürfe, das Glück ſeiner Liebe zu ſichern, flogen durch ſeine bewegte Seele; aber am Ende ſah er Hinderniſſe und Schwierigkeiten ſich aufthürmen, und Zweifel, Eiferſucht und Hoffnung⸗ loſigkeit wechſelten in ſeinem Innern. Er ſtand vor dem anmuthigen Garten in der Lechau, wo Herwart während der ſchönen Jahreszeit zuweilen den Tag bis nach Anbruche der Dunkelheit zubrachte. Er ging hinein und traf Apollonia am Eingange des Garkenſaales. Sie hatte aus den vertraulichen Au— ßerungen ihrer Mutter Gaetano's Abſichten errathen, und wenig Worte waren genug, ſie mit Sebald's Stimmung und Beſorgniſſen bekannt zu machen. Er faßte feurig ihre Hand.„Apollonia!“ ſprach er, der entſcheidende Augenblick für mein Leben iſt ge⸗ kommen. Was hab' ich von Euch zu erwarten?“

Treue ohne Wanben! ſprach ſie.

Er umſchloß das bewegte Mädchen. Sie lag einige Augenblicke in ſeinen Armen.„Darf ich auf eure Mutter rechnen?“ fuhr er fort.

Ich wag' es nicht ganz zu hoffen.

Auf euren Vater 2

Apollonia ſchwieg einen Augenblick.„Er ach⸗ 10