Teil eines Werkes 
1. Theil (1822) Moosrosen / von W.A. Lindau
Entstehung
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Otmar trat in ein hohes Zimmer, das mit grünen Damaſttapeten behangen und mit großen goldrahmi⸗ gen Spiegeln und einigen Bildniſſen, die zwiſchen ſilbernen Wandleuchtern hingen, geziert war. Ein langer, ſchmächtiger Mann in Trauerkleidern ſtand vor einem großen rothbedeckten Armſeſſel, mit der einen

Hand auf einen marmornen Spiegeltiſch ſich ſtützend,

während er in der andern einen aufgerollten Perga⸗ mentbrief hielt. In einiger Entfernung ſaß ein wohl beleibtes Männchen mit ſtruppigen Augenbrau⸗ en, bebrillter Naſe und ſchwarzer Zopfperrücke, vor einem andern Tiſche, und das Wort des Freiherrn erwartend, hielt er die Feder ſteif zwiſchen den Fingern.

Der Freiherr, deſſen bleichem Geſtchte man es nicht anſah, daß er nicht viel über vierzig Jahre alt war, trat einen Schritt näher, als der junge Mann ſchnell ihm entgegen flog.

Theuerſter Herr Oheim, hob Otmar an, ich eilte nach dem Empfange ihres Briefes, ihrer güti⸗ gen Einladung zu folgen, und den Bruder meiner geliebten Mutter kennen zu lernen.

Es freut mich, lieber Neffe, erwiederte der Freiherr, als er ihn mit höflicher Förmlichkeit um⸗ armte. Darauf gab er dem Schreiber einen Wink, ſich zu entfernen, und als er mit dem Gaſte allein war, fuhr er fort: Lieber Neffe, Sie werden wiſ⸗ ſen, daß durch leidige Umſtände zwiſchen ihrer ſeli⸗ gen Mutter und mir ein unfreundliches Verhältniß

eutſta chen, kann

mit