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an's offene, von Weinlaub umſchattete, Fenſter, das
in den Garten ging. Der Mond ſtand am wolken⸗
loſen Himmel, und hell beleuchtet ragten die weiß⸗ grauen Sandſteinfelſen aus dem Fichtenwalde am Eingange der Schlucht, wohin die letzten Häuſer des Dorfes ſich zogen.
Der laute Ton der Wanduhr in der Unter⸗
ſtube, die eben zwölf ſchlug, ſtörte ihn aus ſeinen Gedanken auf. In demſelben Augenblicke ſah er eine Geſtalt, die am Zaune des Gartens hinſchlich. Otmar zog ſich zurück, um unbemerkt beobachten zu können, und ſah deutlich einen Mann, den der Fe⸗ derbuſch auf dem Hute und das Gewehr als Jäger bezeichneten. Die ſchleichende Geſtalt war nun ſo nahe an dem Fenſter der Unterſtube, als der ſchräg laufende Zaun es geſtattete. Das Fenſter war noch erleuchtet und wurde geöffnet. Gute Nacht, Jung⸗ fer Lenchen! ſprach der Jäger halblaut.
So ſpät? antwortete ſie leiſe.
Es geht früh zu Holze, hob jener wieder an, nur gute Nacht wollte ich ſagen.
Mit dieſen Worten eilte er ſchnell davon und ſchien ſich wieder zu den andern Jägern zu geſellen. Bald hörte man in der Ferne einen dreiſtimmigen Jagdgeſang, deſſen fröhliches Hallali! noch lange zwiſchen den Felſen nachhallte.
Unter allen Erſcheinungen dieſer Nacht, machte dieſe den lebhafteſten Eindruck auf Otmar. Das ſtille, ſittſame Mädchen hatte alſo ein zärtliches


