Teil eines Werkes 
1. Theil (1822) Moosrosen / von W.A. Lindau
Entstehung
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wenig zu den etwas dürftigen Umgebungen paßte. Otmar ſah ſich während der ſtummen Pauſe in der kleinen Stube um. Helene ſaß wieder auf ihrem Rohrſtuhle am Spinnrade. Ihr braunes Köpfchen war ſeitwärts geneigt, und ein ſüßes Lächeln ſchwebte um die Roſenlippen, als ſie ſah, das ihre Gabe den müden Gaſt erquickte. Eine tiefe Stille herrſchte, worin man jeden Ton der Uhr hörte, die an der Wand zwiſchen zwei Tabuletten hing, worauf buntes Fayence und etwas Porzellän, eine Bibel mit gold⸗ nem Schnitte und ein Paar andre Bücher zu ſehen waren.

Die Wanduhr ſchlug eilf. Schon ſo ſpät? fragte der Fremde. Ich muß meine Frage wieder⸗ hohlen, meine gütige Wirthinn, ob ich hier einen Führer werde finden können?

Ich denke eben darüber nach, antwortete ſie, aber in dieſer ſpäten Stunde wird ſich Niemand dazu finden laſſen. Wenn es Ihnen gefällt unter unſerm Dache, ſo wollen wir Ihnen gern geben, was unſre arme Wohnung vermag.

Ich nehme es dankbar an, antwortete Otmar,

und werde Euch nicht zu lange zur Laſt fallen, da

ich bei Tagesanbruche abreiſen muß.

Und ich werde dann für einen Führer ſorgen können, ſprach die Wirthinn und zu einer kleinen rothwangigen Dirne ſich wendend, die eben aus dem Schlafe aufgeſtört, dämiſch herein trat, fuhr ſie fort: Annchen; dein Bruder in der Mühle wird morgen