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früh mit dieſem Herrn als Wegweiſer gehen koͤnnen⸗ Du mußt noch zu ihm gehen. Aber ſieh erſt nach dem Pferde, das verſtehſt Du ja.— Und wohin geht Ihr Weg, werther Herr?“« wendete ſie ſich wie⸗ der zu dem Fremden.
Ich bin, wie ich fürchte, ſehr weit vom Ziele
meiner Reiſe, antwortete Otmar, ich will nach Lor⸗
bach, auf das Gut meines Oheims.
Lorbach? rief die Alte lebhaft. Ihr Oheim? Der Freiherr.—
Von Nordeck, erwiederte Otmar. Kennt Ihr ihn vielleicht?—
Ja— ja— ich kenne ihn, hob die Alte wie— der an, und ſchien eine innere Bewegung nieder zu kämpfen. Ich habe Ihnen Gaſtfreundſchaft verſpro⸗ chen, fuhr ſie nach einer Pauſe fort. Wollen Sie ſich nicht zur Ruhe begeben, da Sie ſo früh aufzu⸗ brechen gedenken? Ännchen, hohle Licht! Helene, zeige ihr, wie ſie die Oberſtube in Ordnung brin⸗ gen ſoll.
Sie ſprach dies ſchnell und verrieth eine innere Unruhe. Helene ſchien ſich über das Benehmen der
Alten ſelber zu wundern, und ſah baͤld ſie, bald
den Fremden an. Otmar war freilich nicht wenig überraſcht, als er nun zum Zweitenmahl hörte, daß der Name von ſeines Oheims Wohnſitze eine ſolche Bewegung erwecken konnte; aber die Reize der lieb⸗ lichen Helene, deren Blicken er oft begegnete, mach⸗ ten einen ſo tiefen Eindruck auf ihn, daß andre


