Teil eines Werkes 
1. Theil (1822) Moosrosen / von W.A. Lindau
Entstehung
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dem Fremden den bequemen Lehnſtuhl vorſchieben wollte, der in einer Ecke ſtand, und eilte dann hin⸗ aus, den Auftrag auszurichten. Nach einigen Minu⸗ ten kam ſie zurück mit der gaſtlichen Spende. Der Fremde hatte indeß einige gleichgiltige Worte mit der Alten gewechſelt, die ihn oft forſchend anſah, und ihn endlich bat, es ſich bequem zu machen. Als er ſeinen Reitermantel ablegte, ſchien ein Theil ſei⸗ nes Anzugs, ſo wie ſeine Haltung, einen Kriegs⸗ mann zu verrathen. Er ſah der holden Jungfrau zu, die geſchäftig ein weißes Tuch über den Tiſch breitete, Milch und Obſt darauf ſetzte, den Lehn⸗ ſtuhl näher rückte, und ihn freundlich bat, ſich nie⸗ derzulaſſen.

Ich fürchte, in ſo ſpäter Stunde Euch zu ſtö⸗ ren, hob er an, und will Euch nur bitten, mir zu ſagen, ob hier im Dorfe ein Wirthshaus iſt, wo ich ein Nachtlager erhalten könnte.

Die Schenke kann Ihnen ſolche Bequemlichkeit nicht geben, ſprach die Alte höflich; unſer Dorf liegt weit von der Straße und ſelten verirrt ſich ein Reiſender hierher.

Ich habe mich freilich, wie es ſcheint, völlig verirrr, erwiederte er, aber die Nacht iſt ſo ange⸗ nehm, daß ich gern meine Reiſe fortſetzte, wenn ich hier einen Führer finden könnte.

Die Wirthinn ſchien mit ſich zu Rathe zu ge⸗ hen. Es war etwas in ihrem Benehmen, das den Fremden überraſchte, und eine Bildung verrieth, die