Teil eines Werkes 
1. Theil (1822) Moosrosen / von W.A. Lindau
Entstehung
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Ganz recht. Ihr ſcheint da gut bekannt zu ſein.

Bekannt? erwiederte die Alte, mit einem ſelt⸗ ſamen Lächeln, das faſt höhniſch ausſah. Ei jan Und zum Wahrzeichen kann ich Euch ſagen, vor drei Wochen ſtarb ſeine Gemahlinn, und der Herr wird wohl nicht daran denken, noch einmahl zu freien, und wenn er auch ſeinen alten Stamm abſterben ſieht; es iſt Mehlthau darauf gefallen, darum ſind ſeine Zweige verdorrt und ſeine Wurzeln verfault.

Was ſollen dieſe ſeltſamen Reden? fragte Ot⸗ mar heftig. Wer ſeid Ihr, daß Ihr ſo zu ſprechen Euch erkühnt von dieſem edlen Geſchlechte?

Was liegt Euch daran, wer ich bin, erwiederte die Alte mit ſtolzem Lächeln, wenn ich Euch ſage, wohin Euer Weg geht? Heute kommt Ihr nicht nach Lorbach. Es liegt nach Mitternacht und Ihr zieht gen Morgen, Aber ſeht hier den Kreuzweg, worauf wir ſtehen. Reitet jenen Pfad durch's Er⸗ lengebüſch und in einer halben Stunde kommt Ihr auf ein Dorf, wo Ihr Herberge finden könnt, im dritten Hauſe rechts Ei ſeht! da hüpft ein Irr⸗ wiſch; er will Euch leuchten.

Mit dieſen Worten bog ſie ſchnell um den Fel⸗ ſen, und ihr ſchien das ſchallende Gelächter zu ge⸗ hören, das durch die Stille der Nacht wiederhallte. Der röthliche Lichtglanz, der die Umriſſe des Felſens beleuchtet hatte, war plötzlich erloſchen.

Was war das? fragte ſich Otmar befremdet.