Teil eines Werkes 
1. Theil (1822) Moosrosen / von W.A. Lindau
Entstehung
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Sonderbar! Wer iſt ſie, daß ſie meinen Oheim ſo genau kennt, und feindſelig gegen ſein Haus geſinnt zu ſein ſcheint?

Im Gedanken verloren, ſah er auf den Pfad, den die Alte ihm angewieſen hatte. Noch hüpfte am Rande des Gebüſches das Irrlicht, als hätte es ihn erwartet, Wohlan! dachte er, ich folge der Weiſung. Einmahl verirrt, kann ich einen Pfad ſo gut, als den andern wählen, ſelbſt wenn die ſeltſame Erſchei⸗ nung mich hintergangen hätte.

Er zog ein Piſtol aus der Halfter, und faßte ſtraff den Zügel des Pferdes, das ſcheu vor dem flimmernden Lichte ſeitwärts ſprang. Nach einigen Minuten verlor ſich das Irrlicht in dem Erlendickig⸗ welches eine, tiefer liegende, Wieſe bedeckte, und alsbald lief der Pfad in ein breiteres Thal. Bei dem trüben Scheine des Mondes ſah Otmar einige

Häuſer, die am Fuße einer bewaldeten Felſenwand

in eine Schlucht ſich zu verlaufen ſchienen, und als er völlig aus dem Gebüſche trat, war er nur wenige Schritte von einem Lichte, und hörte nahes Hundge⸗ bell, dem bald viele ähnliche Stimmen antworteten.

Das Haus, wo er durch die halb verſchloſſenen Laden Licht ſchimmern ſah, war genau das dritte rechts; eine ziemlich freundliche Wohnung, auf der einen Seite von einem wohl gepflegten Gärtchen umgeben, Als er ſtehen blieb, wurde im Hauſe ein Geſang fortgeſetzt, den er ſchon in einiger Entfer⸗ nung gehört hatte, und eine ältliche Stimme ſang: