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Fremden erhob, und in ihrer ganzen Haltung noch friſche Kraft ſich zeigte. Ein weiſſer Mantel mit ro⸗ ther Einfaſſung, der nur bis über die Kniee reichte, und eher zu einem männlichen als weiblichen Anzuge zu gehören ſchien, war nachläßig uber die Schultern geworfen, und wehte im Nachtwinde, als ſie, in ih⸗ rer UÜberraſchung auffahrend, ihn nicht mehr veſthielt. Sie ſchien hinter einem Sandſteinfelſen, der wie al⸗ tes Gemäuer aus dem dunkeln Erlengebüſche vor⸗ ſprang, hervorgekommen zu ſeyn, und mit einem Fuße zurücktretend, blieb ſie einige Augenblicke in dieſer Stellung.
Otmar trat ihr näher. Was ſucht Ihr ſo ſpät in der Nacht hier? hob er an.
Und warum ſeid Ihr zu ſolcher Zeit auf dieſen einſamen Wegen? Wißt Ihr nicht, daß die Nacht keines Menſchen Freund iſt?
Ich fürchtete zeither, mich verirrt zu haben, ſprach Otmar, aber da ich Euch hier finde, muß ich wohl in der Nähe von Menſchenwohnungen ſeyn. Nehmt dieß, fuhr er fort, ihr ein Stück Geld in die Falte des Mantels werfend, den ſie nun über die Arme zuſammenzog: und ſagt mir, wie heißt das nächſte Dorf. Oder könnt Ihr mir ſagen, ob ich auf dem rechten Wege nach Lorbach bin?
Lorbach? wiederhohlte lebhaft die Alte. Lorbach ſagt Ihr? Ein Edelhof iſt's mit wenigen Häuſern, nicht wahr? Gehört dem Freiherrn von Nordeck?


