8
Thale hinauf zog, blieb hier unſchlüſſig ſtehen. Aus
den Nachweiſungen, die man ihm gegeben hatte,
ſchloß er, daß der Weg nicht weiter in dem Haupt⸗ thale hinauf gehen und in das Seitenthal ablenken mußte. Nach kurzem Beſinnen folgte der Reiſende, welchen wir Otmar nennen wollen, bis wir ihn nä⸗ her kennen lernen, dem ebenen Pfade, der ſich längs dem Bache zog. Je weiter er ging, deſto mehr Bedenklichkeiten erwachten, ob er den rechten Weg eingeſchlagen. Das Dorf, das ihm Nachtherberge geben ſollte, lag kaum eine Stunde von der Mühle, wo er gegen Abend eingekehrt war, und er hatte ſchon zwei Stunden zurückgelegt, ohne nur eine Spur von Menſchenwohnungen zu finden.
Der Mond, der jetzt zuweilen den Wolkenvor⸗ hang durchbrach, zeigte ihm die noch ziemlich lange Strecke des Weges, der ſich über Wieſen in ein Erlengebüſch zog; aber die Wände auf beiden Sei⸗ ten ſchienen ſich in einiger Entfernung zu einem wei⸗ tern Thale zu öffnen. Mit dieſer Hoſſnung ging er voran, als plötzlich eine lange Geſtalt vor ihm ſtand. Die Erſcheinung war wunderbar mahleriſch durch ihre Seltſamkeit, wie durch die Umgebung. Der Hel⸗ leſte Mondblick beleuchtete die hagre Geſtalt. Der Stab, worauf ſie ſich mit der einen Hand ſtützte, und die grauen Locken, die unter einem rothen, um den Kopf gewundenen Tuche faſt wild hervor ſtan⸗ den, verriethen ihr Alter, während in der raſchen Bewegung ihrer Arme, die ſie beim Anblicke des
———
—, 2⸗—


