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ſie damit glanzen ſolle, aber daß ſie dadurch ein
Mittel mehr habe, ihren künftigen Gatten zu er⸗ freuen; denn alles was in den Frauen ſich ausbil⸗ det, muß zunächſt für ihr ſtilles Heiligthum, den häuslichen Kreis, gebildet ſeyn, oder es iſt vom Böſen. Doch ich darf's mir bezeugen, daß ich ih⸗ ren Verſtand und ihr Herz— Sie ſehen, ich bin dem Worte nicht ſo gram, wo es an ſeiner Stelle iſt— vor allen Dingen für ihren Beruf gebildet
habe, und ich danke es dem Himmel, daß meine
gute Frau lange genug gelebt hat, dem kindlichen Gemüthe die erſte Nichtung, die erſten unvertilg⸗ baren guten Eindrücke zu geben.
O edler Mann! der begeiſterte Liebhaber wür⸗
de die Lobrede des herrlichen Mädchens nicht wah⸗ rer, nicht ſchöner halten können, als Sie es thun. Aber wenn denn ihr ruhiges Urtheil mit allem,
was mein bewegtes Herz ſagt, ſo innig überein⸗
ſtimmt— Hören Sie, lieber Thorwald, ſel Reinau ein.
Sie ſind nicht der Einzige, der da gemeint hat,
meine Nichte werde eine gute Hausfrau werden; aber ich habe noch nichts zugeſagt. Das Mädchen
ſelbſt ſoll entſcheiden. Denn nach meiner Meinung,
die gegen eure überſpannten Begriffe ſo ſcharf an⸗ rennt, gehört bey dem ernſten Schritte zur Che nicht bloß verſtändig prüfende, ſondern auch freye Wahl... Aber wo iſt das Mädchen? Klärchen!


