Druckschrift 
Lebensbilder / von W.A. Lindau
Entstehung
Einzelbild herunterladen

263

Klaͤrchen hatte aus dem langen Gange des Gartens, der auf die Saalthüre ſtieß, das vertrau⸗ liche Geſpräch ihres Oheims mit Thorwald bemerkt, und mit unruhig pochendem Herzen auf den Aus⸗ gang gewartet, und als ſie nun ſah, daß der Oheim ihrem Geliebten bey den letzten Worten die Hand reichte: als ſie den freundlichen Ruf ſeiner Stin me vernahm, da flog ſie ſchnell an ſeine Seite.

Reinau ſah die beyden Liebenden, die ihre Be⸗ wegung kaum zu bezwingen vermochten, einige Au⸗ genblicke ſchweigend an, und ſprach endlich mit ſichtbarer Rührung: Nun wenn ihr denn wollet, ſo ſey's! Höre mein Kind, dieſer wackere Mann glaubt es wagen zu können, mit Dir den Gang durchs Leben zu machen. Belohne ſein Vertrauen! Daß Du es mit ihm wagen darfſt, dafür bürge ich Dir. Wer ſeinen Grundſätzen ſolche Opfer zu bringen vermag, als er es gethan hat, dem kann man vertrauen; Sey dieſes Mannes werth, ſo wird euerm häuslichen Glücke nie etwas fehlen. Nehmt meinen beſten Segen!

Er umfaßte die Glücklichen, die in ſprachloſem Entzücken ſich umarmt hielten. Kinder! ſprach er bewegt, nach einer langen Pauſe: ihr ruft mir den glücklichen Augenblick zurück, wo mir mein gutes Weib die Hand zum ewigen Bunde reichte, wo wir beyde fühlten, daß es uns nie gereuen werde.

Nicht wahr, lieber Oheim, ſprach Klärchen ſchmeichelnd, und lächelte durch die Wonnethräne,