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Lebensbilder / von W.A. Lindau
Entstehung
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25 Auch Klärchen, von ihrem Oheim unterrichtet,

hatte ſich des Glückwechſels innig gefreut, der ſo

heitere Ausſichten eröffnete, und erwartete mit un⸗ ruhiger Sehnſucht den nächſten Freytag, wo ſie aus dem Munde ihres Geliebten die Beſtätigung

der frohen Bothſchaft zu hören glaubte. Thorwald kam einige Augenblicke früher als gewöhnlich, ehe der Oheim zu Hauſe gekommen war. Der ſtille Ernſt, den ſie auf ſeiner Stirne ſah, ſchien nichts Glückliches zu verkünden.

Liebe Klara, antwortete er auf ihre ungedul⸗

dige Frage, wenn dieß die letzte Stütze unſerer

Hoffnung war, o ſo iſt alles verloren! Mein un⸗ glückliches Verhängniß öffnete mir nur eine täu⸗ ſchende Ausſicht auf das ſchöne Glück, um mich deſto tiefer in die Verzweiflung zu ſtoßen. Ich kann, ich darf die Erbſchaft nicht annehmen. Mein Vetter hat nähere Verwandte hinterlaſſen, die kinderreiche Witwe eines Bruders, der er nur ein unbedeuten⸗ des Vermächtniß ausgeſetzt hat. Ich will der Un⸗ glücklichen nicht rauben, was mein Vetter nur aus Vorliebe für mich und in dem unbilligen Andenken an die Zwietracht, worin er mit ſeinem Bruder lebte, ihr entzogen hat. Mein Entſchluß iſt unwi⸗ derrufflich, ich habe bereits das Recht aufgegeben, das mir nach dem letzten Willen des Verſtorbe⸗

nen zuſtand, und keinen Antheil mehr an der Erh⸗ ſchaft..