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Lebensbilder / von W.A. Lindau
Entstehung
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230— Herzen vorging. Und Sie, Luiſe? hob er endlich an mit ſichtbarer Bewegung.

Nicht wahr, ſprach ſie, die Schriften ſchnell

zerreißend, ſo handle ich Ihrer und meiner wür⸗ dig? Murbach wollte anfangs, wie es ſchien, eine Bewegung machen, ihre Hand aufzuhalten, aber ſein beſſeres Gefühl hatte ſchnell geſiegt, als er ge⸗ rührt ausrief: Edles, edles Weib!

Luiſe klingelte, und befahl, den Wagen an⸗ zuſpannen. Ich fahre ſogleich in die Stadt, ſprach ſie. Mein Mann weiß, zu welcher Stunde ich ſei⸗ nen Brief erhalten habe, und er ſoll ſehen, daß mir mein Entſchluß keinen Augenblick Überlegung oder Kampf gekoſtet hat. Gehen Sie voraus, Herr Hauptmann, und ich bitte Sie, gleich nach meiner Ankunft in unſer Haus zu kommen. Auch Sie ha⸗ ben etwas mit Amberg auszugleichen, und ich hof⸗ fe, dieſe Stunde ſoll Freundſchaft ſtiften zwiſchen zwey Männern, die es werth ſind, einander zu achten. Murbach ſchied. Seine Empfindungen für Lui⸗ ſen waren ſo geheiligt, daß er es kaum wagte, ihre Hand, die ſie ihm reichte, an ſeinen Mund zu drü⸗ cken. Gleich nachher war Luiſe auf dem Wege nach der Stadt. Sie ließ langſam vorfahren, und über⸗ raſchte ihren Mann in ſeinem einſamen Zimmer auf der Gartenſeite. Die zerriſſene Schrift in der

Hand haltend, warf ſie ſich in ſeine Arme, und