227 genblicken trat Ambergs alter Diener mit einem großen Briefe herein. Herr Hauptmann Murbach wartet unten im Saale, ſetzte er hinzu. Er iſt ein⸗ geladen worden, wie er ſagt, um Mittag hier zu ſeyn, und glaubte den Herrn hier zu finden.
Luiſe hielt den Brief in der zitternden Hand, und konnte lange kein Wort hervor bringen. Was ſoll ich dem Offizier ſagen? fuhr der Diener fort.
Gleich! antwortete Luiſe, und winkte ihm hinaus zu gehen. Mit pochendem Herzen öffnete ſie den Brief und las Folgendes:
„Theure Luiſe, ich weiß es endlich, was ich längſt hätte ahnen können, daß Du nicht glücklich biſt. Dein Herz liegt offen vor mir, und ich glau⸗ be, es ruht keine Schuld, kein Vorwurf darauf, Ich kann es mir jetzt denken, wie ſchmerzlich Du bisher gekämpft haſt, aber länger ſoll der grauſa⸗ me Kampf Dich nicht aufreiben. Ich, ich hätte be⸗ denken ſollen, welchen gefährlichen Schritt Du thateſt, als ich Dich zum Altare führte. Auf mir liegt die Schuld alles Unglücks, und mich trifft die Vergeltung. Nein, Luiſe, Du kannſt nicht glück⸗ lich ſeyn an meiner Seite. Keine Täuſchung mehr, ich habe ſie lange genug unbedachtſam unterhalten. Von dieſem Augenblicke an biſt Du frey, Luiſe, ganz frey Deiner Neigung zu folgen. Beyliegen⸗ de Schriften werden Dir ſagen, daß es nur von Dir abhängt, das Band, das uns vereint, ſo⸗ leich zu trennen. Das Andenken, das ich Dir.


