221
Darauf brach er, Luiſens Verwirrung bemer⸗ kend, das Geſpräch plötzlich ab; allein er blieb den ganzen Abend ſehr ernſt, und wenn ſie zuweilen ihr Auge zu ihm erhob, ſah ſie, wie er in Nach⸗ denken verſunken war. Als die gewöhnliche Stunde der Trennung kam, faßte er ihre Hand, ſah ſie einige Augenblicke an, und ſprach dann mit merkli⸗ cher Bewegung: Glaube mir, liebe Luiſe, ich ver⸗ kenne dein Herz nicht, aber ich bin überzeugt, es iſt kein Gefühl darin, daß Du Dir ſelbſt vorwerfen müßteſt.—
Von ihren Empfindungen überwältigt, ſank ſie an ſeine Bruſt, und er fühlte ihre Thränen auf ſeine Hand fallen. Ich muß vermuthen, daß Du von ſeiner Rückkehr gewußt habeſt, und ich fühle, was in Dir vorgeht; aber folge Du der Stimme deines reinen Gemüths. Um das Eine nur bitte ich Dich, vergiß nie, daß ich dein Freund bin, dem Du unbe⸗ gränzt vertrauen kannſt, und dem dein Glück und deine Ruhe über alles theuer ſind.
Mit dieſen Worten verließ er ſie. Lange ſtand ſie unbeweglich, von dem Schmerze ihrer Empfin⸗ dungen ergriffen, bis ſie endlich, ihre Hände erhe⸗ bend, ausrief: O Gott, laß mich allein unglücklich ſeyn, wenn Du es über mich verhängt haſt; leite mich nur, daß ich die Ruhe dieſes edlen Mannes nicht ſtöre.
AUm folgenden Morgen, vier Tage nach der — Abſendung ihres Briefes, erhielt ſie einige Zeilen


