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Lebensbilder / von W.A. Lindau
Entstehung
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215 häugniſſes niedergedrückt, ausrief: O Gott, was habe ich verloren!

Der Ton der Schloßuhr, die zwölf ſchlug,

weckte ſie aus ihren Träumen. Noch nie hatte ſie ſo,

wie jetzt, bey dem Gedanken gebebt, vor ihrem Manne zu erſcheinen. Wie glücklich, dachte ſie, daß gerade heute ein dringendes Geſchäft ihn abgehalten hatte, die Kirche zu beſuchen. Zum erſten Mahle ward ihr der Entſchluß nicht ſchwer, ihr Vertrauen ihm zu entziehen. Er empfing ſie, wie immer, mit froher Herzlichkeit, aber zum erſten Mahle nahm ſie ſeine Liebkoſungen nicht mit ihrer gewöhnlichen Anmuth und Freundlichkeit auf, und nie waren ihr ſo ſehr, als in dieſem Augenblicke, die Spuren des Alters in ſeinen Zügen aufgefallen.

Bey Tiſche fragte Amberg nach dem Inhalte der Predigt. Mit ſichtbarer Verwirrung gab Luiſe ſo allgemein, als möglich, den Gegenſtand an. Sehr fruchtbar! ſprach er. Ich hätte wohl hören mögen, wie mein alter Freund mit ſeinen ſtrengen Grundſätzen und ſeiner ſalbungsvollen Wärme die⸗ ſen Stoff behandelt habe. Er pflegt bey ſolchen Ge⸗ genſtänden ſeine Lebenserfahrung und ſein tiefes Gefühl recht eindringlich reden zu laſſen.

Er that es auch, ſprach Luiſe mit geſenktem Blicke, und wollte das Geſpräch ableiten, als Am⸗ berg wieder anhob: Kampf zwiſchen Pflicht und Neigung! Wohl iſt das ſchwer, und Wenige mögen da gerecht gefunden werden. Am beſten iſt's wohl