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Lebensbilder / von W.A. Lindau
Entstehung
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Gut, ich vertraue Dir, Nudolph, ſprach Herr von Ottenwald, ihm die Hand reichend. Alſo, wenn es Dich nicht mehr bindet, werde ich—

Alles erfahren, lieber Oheim. Sie zuerſt.

Das hoffe ich, und ſo werde ich fürs Erſte auf andern Wegen nichts mehr zu erfahren ſuchen.

Der Oheim hielt Wort, und erwähnte ſogar der ganzen Sache mit beiner Silbe gegen Nudolph, mit welchem er, obgleich er ihn ſeit dem zwölften Lebensjahre erzogen hatte, mehr auf den Fuß eines Freundes lebte, als daß er das Anſehen geltend ge⸗ macht hätte, das durch ein ſolches Verhältniß be⸗ gründet werden mußte. Es vergingen vier Wochen, es vergingen zwey Monathe, und noch immer ſchwieg

Nudolph; aber Herr von Ottenwald hatte ſchon lange bemerke, daß der junge Mann zuweilen trüb⸗ ſinnig war, gegen ſeine frühere Gewohnheit wenig geſellſchaftliche Zerſtörung ſuchte und mit ungewöhn⸗ lichem Eifer der Lernung oblag. Ein neugieriger Blick, den der Oheim auf Rudolphs Schreibtiſch warf, und die häufigen Beſuche eines alten franzö⸗ ſiſchen Geiſtlichen aus Navarra, verriethen ihm end⸗ lich, daß der junge Mann mit der ſpaniſchen Spra⸗ che ſich beſchäftigte, aber zugleich ſchien Shakes⸗ peare’'s Othello zu verrathen, daß auch die engliſche

Sprache, die er noch nicht kannte, ſeine Neigung

gewonnen hätte. Als Herr von Ottenwald den jungen Mann einige Zeit beobachtet hatte, redete er ihn eines

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