55 Abends alſo an: Rudolph, ich erfahre zufällig, daß die bewußte Geſtalt ſich ſeit einiger Zeit nicht mehr in der Karlsſtraße ſehen läßt, daß die bewuß⸗ ten Fenſter im zweyten Stockwerke immer dunkel ſind, kurz daß der ſchöne Paradiesvogel ausgeflo⸗ gen iſt.
Alles ſehr wahr, lieber Oheim, ich will Ih⸗ nen ſogar nicht verſchweigen, daß der ſchöne Zug⸗ vogel ſeit Kurzem unſere Gegend ganz verlaſſen hat⸗ Aber ich darf noch nicht reden⸗
Nudolph, kann ich Dir trauen?
Wie ſich ſelbſt, Oheim. Und damit Sie ſeben⸗ wie ſehr ich Ihnen vertraue, und wie feſt ich über⸗ zeugt bin, Ihres vollen Vertrauens würdig zu ſeyn, ſo bitte ich Sie, mir eine Reiſe von zwey Mona⸗ then zu erlauben.
Herr von Ottenwald ſah ihn mit dem lebhaf⸗ teſten Erſtaunen an. Er wollte ſich beynahe ärgern über die ſeltſame Zurückhaltung des jungen Man⸗ nes, aber ſeine gewöhnliche frohe Laune behielt die Oberhand, Rudolph, ſetze Dich an meine Stelle, hob er endlich an. Ein ſolches Räthſel, als Du mir aufgibſt, würde Dich eben ſo ſehr verwirren. Erſt haſt Du Dich lange Zeit in ein undurchdring⸗ liches Geheimniß gehüllt, das allein ſchon ſonder⸗ bar genug war, um allerley bedenkliche Vermu⸗“ thungen zu erwecken, und nun willſt Du gar ſporn⸗ ſtreichs in die Welt hinaus. Ohne Zweifel ſteht die Reiſe mit Deinem Abenteuer in Verbindung? Ver⸗


