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Lebensbilder / von W.A. Lindau
Entstehung
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37 liebe in vollem Glanze erſcheinen zu laſſen. Ein gro⸗ ßer Saal des Landhauſes, den kurz zuvor ein Mah⸗ ler aus der Lombardey mit ſchönen Wandgemähl⸗ den gar kunſtreich geziert hatte, war zum Empfan⸗ ge der Gäſte eingerichtet. Alles ſollte zu Freude und Luſt ermuntern; aber die Fröhlichkeit der Hoch⸗ zeitgäſte ward durch den ſtillen Ernſt, den ſie in dem blaſſen Angeſichte der Braut bemerkten, oft herabgeſtimmt. Der Schalksnarr, der die Geſell⸗ ſchaft während des Mahles durch allerley Scherze und Poſſen ergetzte, weckte Alle zu munterem Ge⸗ lächter, aber Margaretha blieb ſtil und in Gedan⸗ ken verſunken, und als der Becher mit dem Trink⸗ ſpruche auf das Glück ihrer Zukunft unter den Gä⸗ ſten die Runde ging, dankte ihr Blick durch eine kaum verhaltene Thräne.

Gedankenvoll heftete Margaretha ihr Auge auf das neue Wandgemählde, welches die Geſchichte der Tochter Jephta's vorſtellte, als eine fröhliche Sangweiſe am Eingange des Saales erklang und alle Gäſte ihre Blicke auf den eintretenden Lauten⸗ ſpieler richteten. Es war ein berühmter Meiſterſän⸗ ger von Nürnberg, der die Singſchulen in Augs⸗ burg beſuchte und von dem Freyherrn war einge⸗ laden worden, um das Feſt, wie es Sitte war, auch durch ſolche Unterhaltung zu zieren. Er ſang⸗ einige heitere Lieder von dem Glücke der Minne und von den Freuden des Frühlings. Margaretha horchte nur mit halber Theilnahme, denn für ſie