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Lebensbilder / von W.A. Lindau
Entstehung
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poſſe einritt, und ſie, die treuvergeſſene, mit ſtra⸗ fendem Ernſte anſchaute.

Gleichgültig und ohne Theilnahme, ließ ſie von ihren Zofen zur Hochzeit ſich ſchmücken, und erwachte aus tiefen Gedanken, als ihr Vater und ihre Stiefmutter in ihr Gemach traten, ſie zum

Altare zu führen. 4 Ihr ſeht ſo trübſinnig aus, Margaretha, ſprach die Freyfrau. Das iſt kein Angeſicht für einen ſol⸗ chen Tag. Aber freylich iſt dieſer Tag noch nicht zu vergleichen mit dem Abend auf dem Frohnhofe⸗ als Erzherzog Philipp Euch zum Tanze aufzog. Da ſah ich Euer Auge glänzen⸗

Margaretha ſchwieg und lag einige Augenbli⸗ cke in den Armen ihres Vaters, der ſie gerührt anfaßte⸗

Die Kränzeljungfrauen, feſtlich geſchmückt, erwarteten die Braut im Saale, und während ſie den Gäſten grüne Kränze austheilten, ſiel eine Thräne aus Margaretha's Auge, das unter den Jungfrauen einige liebe Geſpielinnen der glücklichen Jugend ſah. Sie ſchauderte, als ſie vernahm, daß die Trauung nicht, wie früher beſtimmt geweſen, in der Annenkirche, ſondern im Dom ſeyn ſollte. Mit ſteigender Angſt, und von ſchmerzlichen Erin⸗ nerungen bewegt, trat ſie in die Kirche, und wag⸗ te es kaum, die Augen aufzuſchlagen, beſorgt, dem drohenden Blicke des geheimnißvollen Mön⸗ ches zu begegnen. Und als ſie mit dem Grafen vor