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Lebensbilder / von W.A. Lindau
Entstehung
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3 ¼ ging mit ſchwankenden Schritten durch die langen Hallen des Doms. Als ſie unter den letzten Sär⸗ len in einem Gange war, worein durch die gemahl⸗ ten Fenſter nur ſchwaches Licht ſiel, ſtand der fin⸗ ſtere Mönch plötzlich vor ihr. Sie blieb ſtehen, ihre Kniee bebten, Margaretha von Heydeck, ſprach er mit tiefer Stimme, wohl hat die Perle Thrä⸗ nen bedeutet.

Von der Erinnerung überwältigt, welche dieſe Worte hervor riefen, lehnte ſich Margaretha an einen Pfeiler. Ewiger Gott, was iſt das! rief ſie mit bebender Stimme.

O möchten nicht noch mehr fließen, als ſchon gefloſſen ſind! fuhr der Mönch fort, und ging darauf in den Kreuzgang, wo Margaretha ihn wie einen Schatten verſchwinden ſah. Es überlief ſie eiskalt, und als wäre ſie von einem Geſpenſte ver⸗ folgt, eilte ſie fort. Sie war faſt krank, als ſie zu Hauſe kam, verſchloß ſich in ihr einſames Ge⸗ mach, und das erſte, was hier in ihre Hände fiel, war Raimunds Bildniß, das ſchon einige Zeit in einem Winkel ihrer Truhe verborgen gelegen hatte⸗ Es däuchte ihr, die milde Freundlichkeit ſeiner Züge ſey verdüſtert, und ernſt und ſtrafend der Blick ſeines großen blauen Auges. Sie drückte es an ihre bewegte Bruſt, und kniete dann vor dem Bilde der heiligen Jungfrau der ſchmerzenreichen, nieder, um im Gebethe Ruhe zu finden. Als ſie ſich erhohlt hatte, dachte ſie über die ſonderbare Erſcheinung nach⸗

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